Fortbildung für Gesundheitsfachkräfte am Handy: Zwanzig Jahre Rückstand

Stell dir eine 20-jährige Pflegefachschülerin vor. Ihr Handy ist ihr Kalender, ihre Bibliothek, ihre Bank und ihr Freundeskreis. Doch wenn es um die verpflichtende Fortbildung geht, soll sie sich vor einen PC setzen, ein Portal öffnen und stundenlang Folien durchklicken. Wie viele Jahre liegen zwischen dem, was sie erlebt, und dem, was wir ihr anbieten?

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Der Kanal ist kein Zufall

In einer Studie mit Pflegefachschüler:innen einer spanischen Universität gaben die 24 Teilnehmer:innen an, ihr Handy bereits zum Nachschlagen von Medikamenten, zur Dosisberechnung und zum Anschauen von Verfahrensvideos zu nutzen. In unserem Beruf ist das Handy längst Lern- und Arbeitswerkzeug. Wenn die Lernenden und Pflegenden es ständig bei sich tragen – warum dann eine Fortbildung, die weiterhin für den Schreibtisch konzipiert ist?

Es geht nicht um Mode, es geht um Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeit lässt sich nicht einfordern, sondern gewinnen, indem man dorthin geht, wo die Menschen sind. Und die neue Generation ist am Handy.

Eine Sprechstunde in der Tasche

Entrena-T ist eine App, die die motivierende Gesprächsführung trainiert – die von Miller und Rollnick beschriebene Gesprächsführung, um ambivalente Patient:innen zu begleiten, ohne sie zu drängen. Das lernt man nicht durch Lesen, sondern durch Sprechen. Deshalb bietet die App sieben Einheiten mit kurzen Lektionen, einem "Mythos oder Fakt", einem Quiz und einer Übung mit fünf Gesprächsrunden mit einer KI-Simulationspatient:in: Manuel, 52-jähriger Busfahrer, der "wann er will" mit dem Rauchen aufhören will; Javier; oder Iker, den seine Mutter zum Arztbesuch gezwungen hat. Am Ende steht eine 24-rundige Konsultation mit Bericht und kommentierter Transkription.

Fehler machen, ohne Schaden anzurichten

In einer der Test-Sitzungen begann das Gespräch schlecht: Scherze, Provokationen, eine Patient:in, die auswich. Das änderte sich, als die Übende aufhörte zu drängen und Manuel fragte, was ihn daran begeisterte, Großvater zu werden. Nach dem Humor antwortete er: "Glaub nicht, ich wäre aus Stein."

Genau das vermittelt die erste Einheit. Korrigieren, warnen und diskutieren zwingt die Patient:in, ihr "Nein" zu verteidigen; Zuhören lässt sie ihr "Ja" aussprechen. Wie oft haben wir solche Interventionen schon live erlebt?

Was wir wissen – und was nicht

Eine umfassende Übersichtsarbeit zum Mikrolernen in Gesundheitsberufen analysierte 17 Studien mit 2.228 Teilnehmer:innen: 14 davon maßen Lernerfolge, und die Ergebnisse waren in Bezug auf Wissen und Selbstvertrauen positiv. Keine Studie untersuchte die Auswirkungen auf die Patient:innen, und die Autor:innen weisen auf ungleichen Technologiezugang hin.

Deshalb will Entrena-T weder die Präsenzfortbildung noch die klinische Supervision ersetzen. Die App soll die Fortbildung zu den Fachkräften bringen – und nicht umgekehrt. Die Evidenz ermutigt uns, ehrgeizig zu sein, ohne dabei den methodischen Rigor zu verlieren.

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Häufig gestellte Fragen

  • Kann man Fortbildung für Gesundheitsfachkräfte wirklich am Handy machen? Ja. Kurze Lektionen, Quizze und Gesprächsübungen funktionieren gut am Handy – und genau das ist das Gerät, das junge Fachkräfte ohnehin zum Lernen und Arbeiten nutzen.
  • Was ist motivierende Gesprächsführung? Ein kollaborativer Gesprächsstil nach Miller und Rollnick, der Patient:innen hilft, eigene Gründe für Veränderungen zu finden, ohne sie zu drängen.
  • Was ist Entrena-T? Eine App zum Trainieren der motivierenden Gesprächsführung mit KI-Simulationspatient:innen, bestehend aus kurzen Einheiten mit Lektionen, "Mythos oder Fakt", Quiz und Übungen.

Die Frage, die bleibt

Morgen wird jemand mit 20 Jahren in unsere Organisationen eintreten. Sprechen wir ihre Sprache – oder warten wir darauf, dass sie unsere lernt? Und wenn die beste Fortbildung die wäre, die in eine Tasche passt und eher einem Gespräch ähnelt als einer Präsentation?

Kommunikation ist wichtig!!!

Iván Tinoco Calero – Fachkrankenpfleger für Psychiatrie

Quellen

• Smartphone-Nutzung von Pflegefachschüler:innen in der klinischen Pflege und Patient:innensicherheit (IJERPH, 2021)

• Mikrolernen in der Ausbildung von Gesundheitsberufen: Eine Scoping Review